Ein letzter Sommer
„Meine Bildung hat mich klug genug gemacht, um zu erkennen, dass ich es nicht weit bringen werde.“
Ja, ja und nochmal ja. Wie ein Schlag ins Gesicht trifft mich dieser Satz von Steve Tesich. Noch nie habe ich ein derartiges Buch gelesen. Der ganze Text schwingt auf meiner persönlichen Wellenlänge.
In seinem Debütroman von 1982 beschreibt Steve in einfacher Sprache die Komplexität der Jugend. Freundschaft, Liebe, Familie im Spannungsfeld der eigenen verwirrten Innenwelt. Es fällt mir schwer in Worte zu fassen, was das Buch in mir ausgelöst hat. An unzähligen Stellen hat es mich zu tiefst berührt. Vieles, was ich als Jugendlicher nur empfunden habe, ohne es formulieren zu können, verwandelt Steve spielend leicht in Worte, Sätze und Kapitel dieses wundervoll emotionalen Buches.
Ich bin überrascht, wie unbekannt und durchschnittlich bewertet das Buch in gängigen Onlineshops ist. Vielleicht wurde es ausschließlich für mich geschrieben. Jedenfalls trifft es mich auf jeder Ebene. Oft musste ich pausieren und meine Gedanken verarbeiten. Verblüffend wie ein Buch von 1982 meine Gefühle im 21. Jahrhundert so präzise wiedergeben kann.
Ein Zufallsfund aus dem Bücherschrank um die Ecke. Von einem mir völlig unbekannten Autor. Geschrieben weit vor meiner Geburt. Wer mich begreifen will, sollte das Buch lesen und anschließend „Being As An Ocean“ hören. So schwinge ich. So fühle ich. So bin ich.
„Der kleine Mann lässt nicht los.“
In diesem Sinne werde auch ich nicht loslassen. Das perfekte Buch, um selber wieder kreativer zu leben. Kunst ist lebensnotwendig. Kunst ist subjektiv. Kunst ist ALLES.
P.S. Ein letzter Sommer sollte definitiv in die Schullektüre aufgenommen werden. Mir hätte es geholfen. Trotz des Alters eine zeitlose Empfehlung für alle Jugendliche und Erwachsene, die in die Rückschau gehen wollen.
❤
29. April 2026
