Budapest

Der kleine Rucksack ist gepackt. Laptop, Kamera, Zahnbürste sowie Wasser und ein Buch. Das ist alles, was ich für den kurzen Trip nach Ungarn einpacke. Am BER entscheide ich mich etwas Neues zu wagen. Normalerweise habe ich von der ersten bis zur letzten Sekunde die Kopfhörer aktiv. Diesmal habe ich den Impuls, darauf zu verzichten. Beim Onboarding schalte ich die Musik aus. Erst wenn ich wieder in Deutschland bin, werde ich mich wie üblich abschotten.

22 Uhr und die Blechdose hebt ab. Ich habe einen Zufallssitz in einer Billigfluglinie gebucht, weshalb ich mit zwei Ungarn kuscheln darf. Beide deutlich jünger als ich. Jeder für sich speziell. Was sie eint, ist ihr dominanter Platzanspruch. Beine und Arme sind im dauerhaften Kontakt. Links isst von Anfang bis Ende des Fluges Salami. Diese kleinen getrockneten mit der weißen Haut. Ich stelle mir die Klimaanlage so, dass ich möglichst wenig vom Geruch belästigt werde. Rechts häkelt sich einen braunen Lappen oder Untersetzer. Die Situation bringt mich zum Schmunzeln. Also wenn die alle so sind, dann gefällt mir Ungarn. Sonderbare Typen.

Wie in alten Zeiten suche ich mir für die erste Nacht einen Schlafplatz im Flughafen. Ich geselle mich zu einer bunten Truppe Osteuropäer, die sich auf die Bänke des Terminals 2A gekringelt haben. Es ist kurz nach 1 Uhr. Ich lese noch ein paar Seiten, um anschließend mit meinen neuen Freunden um die Wette zu schnarchen. Ich verliere deutlich gegen einen 50-jährigen Glatzkopf mit Schnurrbart.

Sonnenaufgang. Ich fahre mit dem Bus ins Stadtzentrum. Meine Tour beginnt. Nach über 33.000 Schritten quer durch Buda und Pest komme ich am Nachmittag mit Sonnenbrand im Hostel an. Mein Alter ist spürbar. Was ich früher einfach so wegstecken konnte, macht mich nun völlig fertig. 18 Uhr liege ich in meiner Koje des 12-Bett-Zimmers. Nach fast 12 Stunden Schlaf erwache ich. Nichts von den anderen 11 im Zimmer mitbekommen. Vielleicht sollte ich zukünftige Ausflüge altersgerecht gestalten.

Ohne das großartig in die Länge zu ziehen: Budapest ist der Wahnsinn. Vielleicht liegt es daran, dass ich keinerlei Erwartungen hatte oder am hervorragenden Wetter oder dass ich seit langer Zeit mal wieder einen solchen Erkundungstrip gemacht habe, aber ich bin extrem beeindruckt von dieser Stadt. Die Architektur, die Atmosphäre, die Cafés und Restaurants, alles atemberaubend. Es gibt Natur zum Wandern oder Spazieren. Wasser, Parks, Museen, Einkaufsmöglichkeiten sowie einen tollen Nahverkehr. Ich werde für einen längeren Urlaub mit meiner besseren Hälfte wiederkommen, insbesondere zum Schlemmen.

Budapest ist DIE Reiseempfehlung in Europa. Ein wundervoller Mix aus Zeitgeist und Geschichte. Schaut es euch an!

Zurück fliege ich mit einer ungarischen Blondine an meiner Seite, die sobald das Flugzeug abhebt, eine riesige Packung geräucherten Schinken rausholt und sich ein Brot schmiert. Salamigeruch auf dem Hinflug. Deftiger Schinkengeruch auf dem Rückflug. Dieser ungarischen Besonderheit muss ich definitiv auf den Grund gehen. Jetzt bin ich erstmal zurück. Kopfhörer werden gezückt. Abschottung aktiviert.

Hinweis: Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, dass meine Bilder überhaupt nicht die Atmosphäre sowie meine Begeisterung für die Stadt eingefangen haben. Ich werde Budapest nochmal mit einer richtigen Kamera besuchen. Diesmal war ich mit einer Camp Snap CS-Pro unterwegs, mit der Bildkomposition sehr schwer realisierbar ist. Ich werde die Schönheit dieser Stadt beim nächsten Besuch besser in Szene setzen.

20. Mai 2026