Selbstliebe

Warum ist das so verdammt schwer? Manchmal findet der kritische Dialog im Kopf kein Ende. Der einzige Weg das Gespräch zu unterbrechen, ist der Bewusstseinsverlust. Glücklicherweise bin ich mit einer hervorragenden Schnellschlaffähigkeit gesegnet. Selbst in meinen dunkelsten Zeiten konnte ich gut einschlafen.

Wer spricht da eigentlich mit wem? Mein Zukunfts-Ich mit der Gegenwart oder umgekehrt? Meine Stimme im Kopf klingt anders als eine Aufnahme. Der Mitschnitt wiederum anders, als was ich höre, wenn ich spreche. Letzteres ist erklärbar, doch warum unterscheidet sich die Gedankenstimme von beiden? Müsste sie nicht identisch sein? Vielleicht bin ich verrückt. Letztendlich spielt es keine Rolle, wer da zu wem spricht. Es kommt darauf an, was gesagt wird.

Meine Gedankenstimme ist empathischer geworden. Sie gibt sich Mühe liebevoll zu sein. Gelegentlich fällt sie in alte Gewohnheiten zurück. Hört nicht zu. Stresst mich. Will ihren Plan umsetzen, ohne Rücksicht auf meine aktuellen Bedürfnisse. Ich habe gelernt, mit ihr befreundet zu sein. Kommuniziere offen. Kann sie stoppen, wenn sie auf die dunkle Seite wechseln will. Wenn sie an mir zerrt. Mich anschreit. Panik verbreitet.

Selbstliebe ist, wie jede andere lebenslange Liebe, eine bewusste Entscheidung. Eine täglich wiederkehrende Prüfung. Ein Bekenntnis zu sich.

Wie will ich mir selbst begegnen? Positiv, offen, aufbauend oder eben nicht. Wie willst du deinen Kollegen, den Nachbarn oder deiner Partnerin gegenübertreten?

Nicht immer gelingt es. Ja, oft starren wir ins Leere. Sind zu träge, um bewusst einzugreifen. Regelmäßig kommt das Signal. Alle Ampeln auf grün. Liebe in Sichtweite. Wir suchen sie. Wir brauchen sie. Wir müssen nur loslaufen. Aber wir erstarren. Treffen keine Entscheidung oder bleiben sogar bewusst stehen. Beobachten aus der Ferne. Passiv. Zu überwältigend ist ihr Anblick. Zu groß die Angst vor Veränderung, dem unbekannten Glückszustand der Akzeptanz.

Der Moment wird verpasst. Doch es gibt genug Chancen. Am laufenden Band bewegen sie sich vorbei. Ein tägliches Übungsfeld der Achtsamkeit für mehr verständnisvolle Wärme. Für dich, für mich, für uns alle.

16. Mai 2026