Reflexion
Je mehr ich lese, desto weniger schreibe ich. Wobei das so nicht stimmt. Meine Gedanken müssen noch immer raus. Sie werden zu Papier gebracht. Digitales Papier, aber immerhin raus aus dem Schädel. Dort vergammeln sie. Bits und Bytes häufen sich an, ohne je veröffentlicht zu werden. Alles belangloses Zeug. Ich komme nicht über meine Mittelmäßigkeit hinweg.
Welche Berechtigung haben meine simplen Sätze in einer Welt voller großartiger Literatur? Ich lese mittlerweile täglich. Es gibt unendlich viele kreative Köpfe, die mit einer Eleganz neue Welten erschließen, dass ich völlig blockiert bin. Worte, die in ihrer Zusammenstellung berühren. Mal wieder sitze ich in der Straßenbahn und weine, weil die Gefühle überkochen. Trauer und Wut der Protagonistin werden zu meiner. Oder sind es meine eigenen Emotionen aufgrund der Erkenntnis, ein Stümper zu sein? Nur ein Baby unter Olympioniken.
Ich liebe das Laufen wie das Schreiben. Laufschuhe an. Ab in den Wald. Alltag vergessen. Frische Luft einatmen. Jedes Wetter spüren. Bin ich dabei schneller als die Profis? Nein. War das jemals ein Problem für mich? Nein. Hält mich das vom Laufen ab? Nein. Ich laufe für mich. Es ist ein physisches Aufräumen und Zurechtrücken. Den Körper richtig wachrütteln. Alle Muskeln und Organe aufwecken. Die Systeme auf Funktionsfähigkeit checken. Regelmäßige Beanspruchung sowie Fürsorge in einem. Jeder Lauf ist wichtig für mich und bedeutungslos für die Welt zugleich.
Was Laufen für den Körper ist, sollte Schreiben für den Geist sein. Durchlüften im Dachgeschoss. Das Hirn an die eigene Belastungsgrenze bringen, ohne sich mit den Profis zu vergleichen. Ich will ausschließlich für mich schreiben, um Klarheit zu bekommen. Doch dann lese ich wieder ein Buch, welches meine Gedanken ausdrückt, nur besser. So viel intelligenter, dass ich mich für meine Beschränktheit schäme. Ich blockiere. Meine Sätze fühlen sich plötzlich falsch an. Warum? Jeder selbstgeschriebene Text ist wichtig für mich und bedeutungslos für die Welt zugleich. Das ist gut so! In diesem Sinne ein kleines Gedicht, das wichtig ist.
❤
Abschied
Klirrend zerbricht ein Herz.
Träume verschwinden still.
Tränen prallen auf Asphalt.
Angstfrei ins Blaue. Freiheit.
Der Tag hat getagt.
Die Woche hat gewocht.
Das Jahr hat gejahrt.
Das Leben hat gelebt.
Macht’s gut, und danke für den Fisch.
❤
13. August 2026
